Vogelfreundlicher Garten

Plakettenuebergabe Auhofgarten

Naturschutz beginnt oft ganz Klein, zum Beispiel zuhause im eigenen Garten. Immer mehr GartenbesitzerInnen leisten durch naturnahe Gestaltung einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Dieses Engagement wird in Bayern durch den LBV und das Bayerische Artenschutzzentrum mit der grünen Plakette als „Vogelfreundlicher Garten“ ausgezeichnet. Mit diesem Zeichen der Wertschätzung wurden bereits über 3.000 GärtnerInnen bedacht, die heimischen Tieren, Pflanzen und insbesondere den Vögeln wertvollen Lebensraum in ihrem privaten Garten bieten.

Was auf den ersten Blick für so manchen verwildert wirken mag, ist in diesen vogelfreundlichen Gärten das besondere Etwas. Genau deshalb soll mit der Plakette mehr Akzeptanz für wilde Natur geschaffen werden. Wenn auch Sie der Natur mehr Raum geben möchten, dann machen Sie mit und gestalten Sie Ihren Garten vogelfreundlicher.

Worauf kommt es in einem vogelfreundlichen Garten an?

In freier Natur finden heimische Vögel immer weniger Nistplätze. Bieten Sie in Ihrem Garten daher ein Stück unberührte Natur an. Etwas Totholz vom Vorjahr eignet sich beispielsweise hervorragend als Nistmaterial. Neben Nistkästen sind große alte Bäume oder dichte Hecken willkommene Brutplätze, die den Vögeln Deckung bieten können. Besonders beliebt bei den kleineren Vögeln sind auch Sträucher mit Dornen.

Kleinere Ecken, die wild wachsen dürfen, bieten ebenfalls vielen Tierarten einen Lebensraum. In Sträuchern und Gräsern leben Insekten, die als Nahrungsquelle dienen. Aber auch Sämereien, beerentragendes Gehölz und Früchte sind gern gesehenes Vogelfutter. Wenn Sie dazu noch Wasserstellen, z.B. in Form eines kleinen Teiches, bieten können, wird sich Ihr Garten sicher schon bald in die Heimat zahlreicher Vögel verwandeln.

Wir wünschen viel Spaß und Erfolg bei der Gestaltung Ihres vogelfreundlichen Gartens!

Die neuen Nistkästen sind eingetroffen!

Der neue BECCO-Nistkasten mit der Nr. 120 wurde aufgehängt.

Natürliche Nistgelegenheiten für heimische Vogelarten werden immer rarer. Wir möchten Menschen motivieren, sich am Vogelschutz zu beteiligen und wünschen uns, dass an möglichst vielen Orten in Deutschland Vögel ein Zuhause finden. Unsere Nistkästen bieten heimischen, wildlebenden Vögeln ein komfortables Nest und Schutz vor Wind und Wetter. Dank des geringen Gewichts und dem mitgelieferten Haken kann der Kasten ganz einfach aufgehängt werden. Und ganz nebenbei fügt er sich auch optisch gut in die umgebende Natur ein.

Da die Kästen in der Werkstätte der Arbeits- und Lebensgemeinschaft Lautenbach hergestellt werden, unterstützen wir nicht nur die Vögel, sondern auch ein soziales Projekt. In den Inklusionsbetrieben Lautenbach finden Menschen mit Assistenzbedarf einen Arbeitsplatz, der ihnen Selbstständigkeit und Wertschätzung der Leistung ermöglicht.

Alle Mitwirkenden hoffen nun darauf, dass möglichst viele Nistkästen an geeignete Plätze verteilt werden und schon bald von Vogelpaaren bezogen werden. Haben auch Sie Interesse, eines unserer Vogelhäuschen aufzuhängen, dann melden Sie sich für weitere Informationen unter n.schnapp@riegel.de

Wenn Sie schon ein nettes Plätzchen für einen unserer Nistkästen gefunden haben, freuen wir uns ebenfalls über einen Schnappschuss.

Erneutes Opfer der illegalen Jagd

Waldrapp Enea beim Besendern in Ortobello

Waldrapp Enea wurde im letzten Jahr berühmt, als er gemeinsam mit seiner Partnerin Rupert in der Schweiz nistete. Mit der erfolgreichen Aufzucht zweier Jungvögel auf dem Dach des Harley-Davidson-Autohausen in Rümlang im Kanton Bern schrieben die Waldrappe aus der Brutkolonie in Überlingen Geschichte: die erste Wildbrut in der Schweiz seit 400 Jahren! Durch diesen Meilenstein war die Hoffnung groß, dass die erfolgreiche Brut den Anfang einer neuen Brutkolonie begründet.

Am 13. März verließ Enea das Wintergebiet in der Toskana und flog auf direktem Wege Richtung Zentralschweiz. Am Vormittag des 17. März erreichte er Domodossola östlich vom Langensee und flog weiter gen Schweizer Grenze. Kurz darauf kehrte er jedoch um und verbrachte den Nachmittag nahe Domodossola auf Wiesen und Bäumen bis das GPS-Gerät am Nachmittag ein trauriges Update sendete: Enea war gestorben.
Der Verlust von Enea ist besonders tragisch, da der erfahrene Zugvogel die Hoffnung auf eine neue Brutkolonie verkörperte. Diese Hoffnung ruht nun auf dem hinterbliebenen Weibchen und deren Nachwuchs.

Die alarmierten Beamten der ansässigen Forstpolizei begaben sich am nächsten Morgen nach Domodossola, um zu ermitteln und den Vogel sowie das GPS-Gerät sicherzustellen. Aus der Rekonstruktion der GPS-Daten ergibt sich, dass jemand den Vogelkörper hat verschwinden lassen und seitdem fehlen sowohl von Enea als auch dem GPS-Sender jede Spur.
Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen strafrechtlich relevanten Kriminalfall handelt, vor allem da es sich beim Waldrapp um einen Zugvogel handelt, der vom Aussterben bedroht ist. Leider kein Einzelfall. Enea ist nur einer von vielen Waldrappen, die jedes Jahr nachweislich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit durch menschlichen Einfluss ums Leben kommen. Jeder einzelne dieser Fälle bedroht das Überleben der Vogelart und macht einen großen Teil der Schutzmaßnahmen zunichte. Allein in der letzten Jagdsaison konnte das Waldrappteam 8 Fälle von illegaler Jagd nachweisen, davon sechs in Italien sowie jeweils einen in Frankreich und Spanien. In Italien werden durch illegale Vogeljagd ein Drittel der Verluste verursacht. Eine alarmierende Zahl, vor allem da man davon ausgehen kann, dass noch viele weitere bedrohte Vogelarten von den illegalen Abschüssen betroffen sind. Somit ist die Jagd einer der Hauptgründe für den Bestandsrückgang zahlreicher Vogelarten.

Großer Neubau für das Vogelschutzzentrum Mössingen

Panorama vom Vogelschutzzentrum Im Winter mit Blick auf den Beginn der Baustelle (kleiner Erdhügel)

Im Landkreis Tübingen befindet sich das Vogelschutzzentrum Mössingen, das Anlaufstelle für alle pflegebedürftigen Wildvögel in Baden-Württemberg ist. Im Zentrum arbeitet ein Team aus Hauptamtlichen und Freiwilligen und widmet sich einer gemeinsamen Leidenschaft: dem Schutz der heimischen Vogelwelt.

Im Vogelschutzzentrum werden verletzte und hilflose Vögel aufgenommen und gepflegt, bis sie freigelassen werden können. Oberstes Ziel ist es immer, die Patienten möglichst schnell wieder in die freie Natur zu entlassen und die Grundvoraussetzungen zu schaffen, dass alle Vögel in Freiheit überleben können. Dazu brauchen die Tiere naturnahe Äcker, Wiesen und Wälder, wo sie leben, jagen und brüten können. Daher forscht das Team im Bereich des Vogelschutzes und setzt Naturschutzprojekte für bessere Rahmenbedingungen in freier Wildbahn um.

Ganz gezielt geht der NABU aber auch gegen von Menschen gemachte Todesursachen vor. Noch immer werden Greifvögel absichtlich vergiftet oder Großvögel fallen ungesicherten Strommasten zum Opfer. Hier leistet das Vogelschutzzentrum Aufklärungsarbeit und versucht die Ursachen abzustellen, damit anderen Vögeln dieses Schicksal erspart bleibt.

Bildquelle: Riegel Bioweine
Bildquelle: Riegel Bioweine
Bildquelle: Riegel Bioweine

Aufklärung ist generell eine der Kernaufgaben im Zentrum. Neben Führungen für interessierte Besucher werden auch die Menschen aufgeklärt, die helfen wollen und vermeintlich hilflose Vögel ins Zentrum bringen. Oft sind Jungvögel jedoch nicht so hilfsbedürftig wie es scheint und werden kurz vor dem Flüggewerden auch außerhalb ihres Nestes noch von den Eltern versorgt. Dort haben Sie auch die besten Überlebenschancen.

Besonders in der warmen Jahreszeit sind die Volieren voll besetzt. Neben zahlreichen Klein- und Raubvögeln finden auch Großvögel wie Reiher und Störche in der Großvoliere eine Unterkunft, in der sie das Fliegen trainieren und sich auf die Auswilderung vorbereiten können.

Leider gerät das Vogelschutzzentrum jedoch manchmal auch an die Auslastungsgrenze und kann keine weiteren Vögel mehr aufnehmen. Zudem sind einige Volieren bereits so alt, dass sie in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Daher wurde ein großer Neubau mit einer zweiten Großvoliere, einem neuen Aufnahmebereich für die gefiederten Patienten und vielen neuen kleinen bis großen Volieren geplant. Der Spatenstich für dieses Großprojekt war bereits zum Jahresende 2023; bis 2024 ist die Fertigstellung des ersten Gebäudeteils mit der neuen Volierenanlage geplant. Der gesamte Neubau wird voraussichtlich bis 2026 andauern.

Um den dringend benötigten Platz für heimische Vögel zu schaffen und das Vogelschutzzentrum bei diesem großen und wichtigen Projekt zu unterstützen, spenden wir für den Neubau 10.000€ der Erlöse aus BECCO-Verkäufen. Sobald der Bau weiter voranschreitet, halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden.

Bildquelle: Riegel Bioweine
Bildquelle: Riegel Bioweine
Bildquelle: Riegel Bioweine

Unsere Spende für den Kiebitz

Kiebitz im Flug über feuchte Wiese

Indem Sie sich für den Kauf von BECCO-Weinen entschieden haben, konnten wir auch im letzten Jahr wieder eine hübsche Spendensumme ansammeln. Diese Spenden von 0,02€ pro verkaufter Flasche kommen nun zum Teil dem Kiebitz als Vogel des Jahres 2024 zugute. Wie bereits berichtet war der Wiesenbrüter noch vor 50 Jahren sehr häufig auf heimischen Feldern und Wiesen zu sehen. In den letzten Jahrzehnten haben die Brutbestände jedoch rapide abgenommen, da sein natürlicher Lebensraum z.B. durch Trockenlegung zunehmend verschwindet. Außerdem machen die industrielle Landwirtschaft, frühe Mahdtermine sowie der Einsatz von Pestiziden und damit verbunden ein geringeres Nahrungsangebot an Insekten den Vögeln zu schaffen.

Gemeinsam mit dem LBV, dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern, unterstützen wir die Kiebitze bei der diesjährigen Brut – und das gerade rechtzeitig!

In den letzten Tagen kamen bereits die ersten Kiebitze aus ihren Winterquartieren in Spanien und Frankreich zurück nach Deutschland. Hier startet nach erfolgreicher Balz Ende März die Eiablage. Dies ist eine sehr sensible Zeit für die Kiebitz-Weibchen. Werden sie gestört bevor das Gelege vollständig ist, werden die Nester verlassen. Der LBV berät Landwirte über die Möglichkeiten einer naturschonenden Bewirtschaftung und staatliche Fördermöglichkeiten, um die Bodenbearbeitung von Mitte März bis Ende Juni auszusetzen. Darüber hinaus werden Schutzgebiete durch Kauf oder Pacht errichtet und gepflegt. Durch Renaturierung und eine späte, schonende Mahd bieten diese Flächen dem Kiebitz einen natürlichen Lebensraum.

Außerdem unterstützt der LBV bei der Suche nach den unauffälligen Nestern mit tarnfarbenen Eiern und legt gemeinsam mit den Landwirten „Kiebitzinseln“ an. Das ist eine kleine Fläche, die dem Vogel Möglichkeiten zum Brüten und eine Nahrungsquelle bietet. Als Abgrenzung und zum Schutz vor Nesträubern wird dieser Bereich zudem von einem Zaun geschützt. Durch unsere Spende in Höhe von 5.000€ können zahlreiche Nester durch eine solche Kiebitzinsel abgesteckt und geschützt werden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Neues von der Kiebitz-Projektfläche in Espasingen

Schnittgut vom Rückschnitt wird abtransportiert

Im vergangenen Jahr waren von April bis Juni regelmäßig Kiebitze auf der Projektfläche. Danach ziehen die Kiebitze im Bodenseeraum normalerweise von ihren Brutgebieten weg und kehren erst im nächsten Frühjahr zurück.

Bei den niedrigen Temperaturen sowie Eis und Schnee zum Jahresanfang, waren rund um das Projektgebiet allerdings recht viele Kiebitze zu beobachten. Bei diesen ungewöhnlich häufig gesichteten Vögeln handelte es sich um Kälteflüchter, die an den vergleichsweise milden Bodensee gekommen sind – zusammen mit Goldregenpfeifern, Großen Brachvögeln und vielen weiteren Arten.

Damit sich im kommenden Frühling möglichst viele Kiebitze im großen Ried Espasingen wohlfühlen, ist für dieses Jahr eine Beweidung des Projektgebiets mit Rindern des nahe gelegenen Erlenhofs geplant. Weiden sind mit ihrer niedrigen Vegetation und ihrem Insektenreichtum ein attraktiver Lebensraum für Kiebitze. Ideal ist ein hoher Beweidungsdruck, der zu Trittschäden führt, da die Kiebitze offenen Boden für die Brut bevorzugen.
Sobald das Grünland trocken genug ist, wird der Zaunbau für die Beweidung erfolgen.

Vor Kurzem wurden bereits die ersten Vorbereitungen für die kommende Brutsaison getroffen. Das Umweltzentrum Stockach hat zusammen mit dem NABU Bäume und Sträucher zurückgeschnitten, da der Kiebitz eine offene Vegetation bevorzugt.

Erlen werden auf den Stock gesetzt
Quelle: UmweltZentrum Stockach
Quelle: UmweltZentrum Stockach
Abtransport Schnittgut
Quelle: UmweltZentrum Stockach

Kiebitze haben es gern übersichtlich und meiden Gehölzstrukturen. Deshalb wurden die Erlen auf den Stock gesetzt. Auch ein Teil der Uferbereiche der Blänken wurde freigeschnitten, damit die Vögel dort Nahrung finden können. Anschließend wurde das Schnittgut vom Rückschnitt abtransportiert.
Die Helfer stehen nun bereit für den baldigen Zaunbau. Wir halten Sie natürlich weiterhin auf dem Laufenden.

Bereit für den Frühling!

BECCO Nistkasten 9 Salem

Im Frühjahr sind viele Vögel für die Brutzeit auf Unterstützung angewiesen, denn es mangelt zunehmend an natürlichen Nistplätzen wie hohlen Baumstämmen oder Nischen an Gebäuden. Sie bevorzugen für die Aufzucht ihrer Jungen artgerechte Nistplätze an einem gut gewählten Standort. Ein auffälliges Design wirkt hingegen oft eher abschreckend.

Viele Vogelarten freuen sich über auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Nistkästen. Mit dem Aufhängen kann man die Natur hautnah zuhause erleben und eine Menge über Lebensweise und Brutverhalten der heimischen Vogelwelt erfahren.

Unterstützen Sie die Vögel vor Ort und bringen Sie auch einen Nistkasten an Ihrem Zuhause an oder reinigen Sie alte Nistkästen, um sie rechtzeitig für neue Bewohner vorzubereiten.


Was muss man bei der Anbringung des Nistkastens beachten?

– Wählen Sie einen ruhigen, vor Wetter geschützten Ort, der möglichst für Fressfeinde nicht erreichbar ist.
– Für die meisten Vögel empfiehlt sich eine Höhe von mindestens 2 Metern.
– Eine Ost- bis Südost-Ausrichtung ist ideal. So ist die Einflugöffnung vor der Wetterseite (Westen) geschützt,
aber auch nicht der prallen Sonne ausgesetzt (Süden). Überhitzung ist tödlich für die Brut!
– Damit möglichst wenig Regen eindringt, sollten Nistkästen nach vorn geneigt angebracht werden, nie nach hinten.
– Nistkästen gleicher Art brauchen einen Mindestabstand von 10 Metern, damit die Tiere ungestört ihren Nachwuchs
aufziehen können und ausreichend Futter finden. Ausnahmen gelten für Koloniebrüter wie Schwalben und Stare.
– Bitte keine Teerpappe auf dem Dach verwenden, weil Feuchtigkeit nicht abgehalten wird, im Gegenteil:
Schnelles Trocknen des Holzes wird verhindert. Pappe kann zudem zu einem lebensbedrohlichen Hitzestau führen.
– Bitte keine Nistmaterialien in den Kasten geben; die Vögel wollen selbständig nisten.


Wie reinige ich den Nistkasten?

– Wenn Sie möchten, streichen Sie Nistkästen aus Holz mit Leinöl, welches auf natürliche Weise imprägniert,
oder mit umweltfreundlicher Bio-Lasur.
– Reinigung im Spätsommer nach der Brutsaison oder jetzt im Februar, um Überwinterer nicht zu stören.
Vor der Reinigung anklopfen. Wenn man die Reinigung im Spätsommer verpasst, sollte man dennoch bei Bedarf
alte Eier und tote Küken samt altem Nest entfernen, da sonst die Gefahr des Parasitenbefalls sehr hoch ist.
– Verwenden Sie ein Reinigungsgerät und/oder tragen Sie Handschuhe.
– Stärkere Verschmutzungen gut an der frischen Luft ausbürsten, den Staub möglichst nicht einatmen.
– Verzichten Sie auf Reinigungsmittel, um die Vögel nicht zu gefährden.
– Bitte verzichten Sie in der Brutsaison auf Kontrollen, um die Vögel nicht zu stören.

Der unglaubliche Flug von Waldrapp Knubbel und ihr trauriges Ende

Nahaufnahme von Waldrapp Knubbel auf einem Feld

Knubbel ist ein junges Waldrapp-Weibchen, das am 3. Juni in Überlingen am Bodensee geschlüpft und dort aufgewachsen ist. Während der Herbstmigration verlor der Vogel in Norditalien den Kontakt zu seinen Artgenossen. Fortan zeigte er die für unbegleitete junge Waldrappe typische Orientierung nach Süd-West. Da Knubbel einen GPS-Sender trug, konnte ihr Flug sehr genau rekonstruiert werden:

Am 15. Dezember um 11:41 Uhr verlässt Knubbel zwischen Genua und La Specia das Festland und fliegt einem konstanten Süd-West-Kurs folgend auf das Mittelmeer hinaus. Gegen 17:00 Uhr ändert Knubbel ihren Kurs und fliegt ca. 150 Kilometer nach Osten Richtung Korsika. Nach Sonnenuntergang erreicht sie nördlich von Calvi die Küste und übernachtet dort. An diesem Tag legte Knubbel 470 Kilometer über offenem Meer zurück.

Am Morgen des 16. Dezember um 09:00 Uhr verlässt sie die Korsische Küste und folgt wieder einem Kurs Richtung Süd-West. Es ist bereits 18:30 Uhr, eine Stunde nach Sonnenuntergang, als Knubbel nördlich an Menorca vorbeifliegt. Da sie zu der Zeit ihren Kurs nach Westen ändert, trifft sie nicht auf Mallorca, sondern fliegt in Richtung des spanischen Festlands zwischen Barcelona und Valencia. Nur 20 Kilometer von der Küste entfernt trifft sie in der Dunkelheit auf eine Ölplattform und übernachtet dort. Die Flugstrecke dieses Tages beträgt unglaubliche 760 Kilometer, die der Vogel den Daten gemäß non-stop zurückgelegt hat, ohne Aufnahme von Wasser oder Futter. Es ist die längste Tages-Flugdistanz, die jemals bei einem Waldrapp dokumentiert wurde.

Um 07:35 Uhr am nächsten Morgen setzt Knubbel ihren Flug fort und erreicht um 08:20 Uhr die spanische Küste nur wenige Kilometer südlich der berühmten Ebro-Mündung. Nach nur 30 Minuten Pause setzt sie den Flug fort, überfliegt das küstennahe Gebirge und erreicht dort eine Flughöhe von 1.500 Meter. Rund 90 Kilometer landeinwärts, nahe der Ortschaft Calanda, endet der Flug von Knubbel.

Insgesamt hat Knubbel in drei Flugetappen eine Strecke von 1.320 Kilometer zurückgelegt, bei einer mittleren Fluggeschwindigkeit von 57 km/h. Dieser Flug ist ein faszinierendes Beispiel für das Leistungsvermögen von Zugvögeln, umso mehr als es sich um einen allein fliegenden, unerfahrenen Jungvogel handelt.

Leider nimmt dieser Rekordflug von Knubbel ein trauriges Ende. Rund eine Woche hält sich der Vogel im Umfeld von Calanda auf, dann weisen die Daten seines Senders auf eine Verletzung und schließlich auf seinen Tod hin. Regionale Naturschutzbeamte bergen den Vogel anhand der GPS-Daten. Eine forensische Untersuchung stellt den Tod durch Abschuss fest.

Knubbel ist der erste illegal abgeschossene Waldrapp aus der Überlinger Population in Spanien. Seine unglaubliche Leistung hat diesen Vogel zu einer Persönlichkeit gemacht und wir waren voll Hoffnung, dass er seinen Flug fortsetzt und in Andalusien auf seine Artgenossen trifft. All dem hat der Täter in völlig sinnloser Weise ein Ende gesetzt. Leider zeigt der tragische Fall von Knubbel, dass die illegale Vogeljagd nicht nur in Italien eine große Bedrohung für die Artenvielfalt darstellt. Die Waldrappe sind auch entlang der Zugstrecke nach Andalusien durch Wilderei bedroht. Jeder Fall wird durch das Waldrappteam zur Anzeige gebracht. Wir hoffen auf Ermittlungen durch die spanische Justiz und Unterstützung durch die spanischen Jagdverbände.

Kiebitz wird Vogel des Jahres 2024

Kiebitz vor grünem Hintergrund durch Pfütze watend

Grund zur Freude hat der Wiesenbrüter aber nur bedingt: er ist stark gefährdet.
Die Vogelwahl ist mehr als nur ein symbolischer Titel: Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) rücken für ein Jahr den Siegervogel mit verstärkter Kommunikation in den Fokus und machen auf seine Gefährdung aufmerksam. Darüber hinaus wird es konkrete Schutzmaßnahmen für den Kiebitz und seinen Lebensraum geben.

Kiebitze bevorzugen Flächen mit kurzer Vegetation ohne Sichtbarrieren in der Nähe. Daher konnte man sie ursprünglich häufig vor allem in Mooren und auf Feuchtwiesen finden. Aber durch Trockenlegung von Feuchtwiesen und eine intensivere Landwirtschaft sind ihre Bestände massiv zurückgegangen.

Ein weiteres Problem sind die Pestizide, die auf die Felder aufgebracht werden. Durch sie schrumpft die Insektenpopulation – und damit das Nahrungsangebot des Kiebitzes.

Gut erkennen kann man den schwarz-weißen, etwa taubengroßen Regenpfeifer an seiner Federholle auf dem Kopf und den breiten, gerundeten Flügeln. Im Licht glänzt sein Gefieder metallisch grün oder violett. 

Sie finden den schönen Vogel auch auf dem Etikett unseres BECCO Primitivo aus Apulien, der Heimatregion dieser Rebsorte. Der Wein hat eine dunkelrote Farbe und besticht in der Nase mit würzig-rauchigen Noten und etwas Nelke. Am Gaumen dominieren schwarze Beeren und eine herrliche Würzigkeit. Trotz Fülle schön weich und eingängig.

Hoffnung für die Waldrappe – Jungvogel Fiete in Andalusien

Waldrapp Fiete im Flug in Andalusien
Am 2. Dezember erhielt das durch BECCO unterstützte Waldrapp-Team in Überlingen von Miguel Angel Quevedo Muñoz vom spanischen Partnerprojekt Proyecto Eremita die Nachricht, dass ein Jungvogel mit Ringen
südlich von Cádiz gesichtet wurde. Die Vermutung war, dass es einer der Jungvögel ist, die während der heurigen menschengeleiteten Migration verloren gegangen sind. Anhand der Ringnummer konnte aber mit großer Überraschung festgestellt werden, dass es sich bei diesem Tier um den Jungvogel Fiete aus
der Brutkolonie Überlingen am Bodensee handelt!
 

Fiete ist 2023 in Überlingen geschlüpft und aufgewachsen. Er wurde beringt, erhielt aber keinen GPS-Sender und verschwand am 17. Oktober. Seitdem war er vermisst, bis wir am 2. Dezember ganz unerwartet diese Sichtmeldung aus Andalusien erhielten, 2.300 Kilometer vom Brutgebiet entfernt und im Lebensraum der dort ansässigen, sedentären Waldrapp-Kolonie vom Proyecto Eremita.

Damit ist Fiete nach Ingrid bereits der zweite Jungvogel, der eigenständig nach Andalusien migriert ist. Zusammen mit den 32 Jungvögeln der menschengeleiteten Migration halten sich somit schon 34 Vögel unserer migrierenden Population dort auf. Mit Fiete haben wir nun zudem auch schon den ersten in der Wildbahn aufgewachsenen Jungvogel in Andalusien.

Das ist ein weiterer wichtiger Meilenstein. Die Ankunft von Fiete in Andalusien bestärkt uns sehr in der Hoffnung, dass eine Migrationstradition vom Alpennordrand nach Andalusien gegründet werden kann. Und das ist für das längerfristige Überleben der Population von essentieller Bedeutung.